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PURSUIT OF COLORS.

Pursuit of Colors

Prolog – Der Kompass

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt: „Ein Meister der Farben liegt im Sterben! Wird kein Nachfolger gefunden, drohen die Farben für immer aus der Welt zu verschwinden! ‟

Natürlich kannte Ben die Legende vom Tempel der Farben. Jeder kannte sie. Seine Tante hatte sie ihm in Kindertagen erzählt: Der Tempel thronte hoch über den Wolken und – sein Dach! Das war ein Kunstwerk! Das schönste von Menschenhand geschaffene. Drei Großmeister der Farben lebten angeblich darin, die die Welt Tag für Tag, Nacht für Nacht gegen eine finstere Bedrohung verteidigten. So ganz genau wusste es natürlich niemand, denn über gesicherte Informationen verfügten nur wenige – und die zogen es vor zu schweigen.

Ben lachte über diese Ammenmärchen. Sie waren nichts als die Hirngespinste der einfachen Leute, die sich nach einer größeren, schöneren Wirklichkeit sehnten. Mit seinem Leben jedenfalls hatten sie nichts zu tun.

Bis heute.

Es herrschte eine brütende Hitze in den Straßen, der Verkehr war beinahe vollständig zum Erliegen gekommen. Jeder, der alle Sinne beisammen hatte, war daheim geblieben. Nur die allernötigsten Wege wurden gegangen. Ben hatte unruhig geschlafen und vom Brunnen am Marktplatz geträumt. Wieder und wieder war ihm das Bild erschienen. Er hatte keine Ruhe finden können. Nichts wollte helfen. Also schleppte er sich nun durch die staubtrockene Mittagsluft, die ihm wie ein Föhn entgegen blies.

Am menschenleeren Marktplatz angekommen, sah er sich um. Der große Platz war wie ausgestorben, nur ein kleines Funkeln belebte die Szene. Beim Brunnen blitzte und glitzerte es deutlich, als säße dort jemand mit einem kleinen Spiegel und habe es darauf abgesehen, ihn zu blenden. Das musste er sich aus der Nähe ansehen.

Auf dem Rand des Brunnens lag ein faustgroßes Etwas. Aus einem Lederetui, das bräunlich in der Sonne schimmerte, lugte ein Stück Edelmetall hervor, in das eine kleine Glasscheibe eingelassen war. Unter der Scheibe rotierte ein bronzener Zeiger.

„Das ist dein Kompass, Ben. ‟

Die Stimme war wie aus dem Nichts gekommen. Ben erschrak heftig und wirbelte herum. Hinter ihm stand eine gebeugte Gestalt. Ein Greis in einem abgewetzten Mantel, unscheinbar und dreckig.

„Wer bist du? Woher kennst du meinen Namen? ‟, fragte Ben.

„Indem ich zuhöre. ‟ Der Alte grinste ein zahnloses Lächeln. „Willst du ihn nicht nehmen? ‟

Verdutzt griff Ben nach dem Kompass. Eine wohlige Vorfreude durchströmte ihn, als er ihn berührte. Sie durchfuhr ihn wie ein sanfter Stromschlag. Sogleich zog er die Hand wieder zurück.

„Ich kenne dieses Gefühl‟, sagte der Greis. „Das ist der Ruf der Farben, mein Junge. ‟

„Der was? ‟, fragte Ben, obwohl er genau verstanden hatte.

Der Greis nahm einen ernsten Gesichtsausdruck an. „Du hast jetzt eine Aufgabe. ‟

Ben schluckte. „Ist es wahr, was man sich erzählt? Der Tempel? Die Meister? ‟

„Jedes Wort‟, sagte der Greis und grinste erneut. „Oder sagen wir besser, jedes zweite. Du bist einer der Anwärter. Der Kompass wird dich zu den Farben führen. Sammle sie und erweise dich als würdig. ‟

„Sammeln? ‟, fragte Ben und sah hilflos auf den rotierenden Zeiger. „Würdig erweisen? Wie …? ‟

Als er aufsah, war der Alte verschwunden. So plötzlich, wie er gekommen war.

Zögerlich ließ Ben den Kompass in seine Tasche gleiten.

 

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